PMT und vPvM — Was persistente, mobile und toxische Stoffe für SDBs bedeuten
PMT und vPvM sind die neuen 2023/707-Gefahrenklassen für Stoffe, die das Trinkwasser bedrohen. Tenside, Triazole und Per- und Polyfluorierte Stoffe sind besonders betroffen — und müssen jetzt im SDB ausgewiesen werden.
Was bedeuten PMT und vPvM?
PMT steht für persistent, mobile, toxic — Stoffe, die in der Umwelt nicht abgebaut werden, sich gut in Wasser und Boden bewegen und toxisch wirken. vPvM ist die schärfere Variante: very persistent, very mobile — ohne die Toxizitäts-Bedingung, dafür mit höheren Schwellen für Persistenz und Mobilität.
Beide Klassen wurden vom deutschen Umweltbundesamt (UBA) konzipiert und 2023 ins EU-CLP-Recht übernommen. Treiber ist der Schutz von Trinkwasser-Resourcen — Stoffe, die durch Boden und Wasser bis ins Grundwasser wandern, sind besonders kritisch.
Kriterien (P, M, T-Schwellenwerte)
Persistenz (P)
- P: Halbwertszeit Wasser > 40 Tage oder Boden > 120 Tage
- vP: Halbwertszeit Wasser > 60 Tage oder Boden > 180 Tage
Mobilität (M)
- M: log Koc ≤ 4,0 (Sorption an organischem Kohlenstoff niedrig)
- vM: log Koc ≤ 3,0 (sehr niedrige Sorption)
Toxizität (T)
- T: bestimmte CMR-Klassifizierungen, chronische aquatische Toxizität, STOT RE
Beispiel-Stoffe (PFAS, Triazole, Bisphenole)
Stoffe, die häufig auf der UBA-PMT-Liste auftauchen oder schon klassifiziert sind:
- PFAS: Perfluoroctansäure (PFOA), Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), Perfluorhexansulfonsäure (PFHxS)
- Triazole: Tebuconazol, Propiconazol (in Holzschutz und Pflanzenschutz)
- Bisphenole: Bisphenol S, Bisphenol F
- Sulfonate: bestimmte Aryl-Sulfonate aus der Reinigungsmittel-Industrie
- Pharma-Reste: Diclofenac, Carbamazepin, Sulfamethoxazol
SDB-Abschnitte
- Abschnitt 2: H-Sätze für PMT/vPvM, neue Kennzeichnungselemente
- Abschnitt 9: log Koc, log Kow, Wasserlöslichkeit
- Abschnitt 12: Persistenz-Daten, Mobilitäts-Bewertung
- Abschnitt 16: Versionsnotiz mit Begründung
Datenquellen (ECHA, UBA)
Die ECHA C&L-Datenbank ist primäre Quelle für harmonisierte Klassifizierungen. Das UBA-Leitfaden zu PMT/vPvM liefert die Bewertungsmethodik. Für Self-Classification ist die REACH-Registrierungsakte des jeweiligen Stoffs maßgeblich (Abschnitt 12 der Akte).
FAQ
Siehe Frage-Box unten.
SDB Patch nutzt eine PMT/vPvM-Engine mit Begründungs-Vorschlag pro Stoff. ECHA-C&L wird live abgeglichen, neue harmonisierte Einstufungen kommen automatisch in deinen Bestand.
Beta-Zugang anfordernHäufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen PMT und vPvM?
PMT verlangt Persistenz, Mobilität und Toxizität. vPvM ist eine schärfere Variante — sehr persistent und sehr mobil, ohne die T-Anforderung. Stoffe können zu beiden Klassen gehören.
Sind PFAS automatisch PMT?
Nicht automatisch, aber viele PFAS erfüllen die Kriterien aufgrund ihrer extremen Persistenz und hohen Wasserlöslichkeit. PFOA und PFOS sind Beispiele.